Der Glockenraum

In dem Glockenraum ist ein eichener Glockenstuhl mit zwei Feldern aufgestellt. In der zweiten Stütze vom ersten Feld ist eingraviert:

Später ist der Glockenstuhl nach Norden hin um ein drittes Feld erweitert und seitlich mit der Inschrift versehen worden:

Erweitert 1896 der Gemeindekirchenrath

Pfarrer Danneil, A. Ehrenberg, C Berger,F.Berger, Ph Ebert.

         Erbaut anno MDCCCXV

Zur Zeit des Pfarrers Joachimi und Kirchenv.G. Berger und G. Naumann von G. Knauf

Im südlichen Glockenstuhlfeld hängt die große bronzene Glocke aus dem Jahre 1440. Sie weist die breite Tulpenform auf und besitzt, die der Aufhängung dienende vierbügelige Krone eingerechnet, eine Höhe von 1,21 m sowie einen größten Durchmesser von 1,25 m. An der Haube zwischen zwei Ringlinien ist die einzeilige Inschrift in großen Buchstaben zu finden:

A.DI.MCCCCXL CONDOLOR VIVA FLEO MORTKA PELLO NOCIVA

Im Jahre des Herrn 1440. Ich tröste, was lebt, ich beweine, was gestorben, ich vertreibe, was schädlich.

An den seitlichen Glockenflanken sind zwei Hochreliefs von 18,5 mal 13,5 cm angebracht mit der Darstellung der Kreuzigung und der Pieta (Kreuzabnahme).Zwei kleinere Reliefs stellen den Apostel Paulus und die Mutter Gottes mit dem Kinde dar. Von den Umschriften der Reliefs hat sich die Kreuzigung entziffern lassen:

Christus faktus INRI est pro nobis obediensUsque ad mortem mortem autem crucis.Cum iterum ibis: 0 rex glorie veni cum pace.

Christus ist für uns zum Gekreuzigten geworden, gehorsam bis zum Tode, sogar zum Tode am Kreuz. Wenn du wiederkehren wirst, o König der Herrlichkeit, komm mit Frieden.

Glocke von 1340

Im dritten, das ist im nördlichsten Stuhlfeld, hängt die kleinere Glocke, die um etwa 100 Jahre älter geschätzt wird, also aus dem Jahre 1340 stammen dürfte. Sie besitzt einen Durchmesser von 50 cm und eine Höhe von 40 cm, ist ohne Inschrift, aber mit zwei Ringlinien versehen. Die Krone ist abgeschlagen und der untere Glockenrand ist mehrfach leicht ausgebrochen. Die Schäden sind sehr wahrscheinlich bei Transporten zwecks umhängen der Glocke zustandegekommen.

Nach Aufzeichnungen von Pfarrer Giese waren im mittleren Stuhlfeld zwei weitere bronzene Glocken aufgehängt. Sie hatten Gewichte von 542 und 300 kg, stammten aus dem Jahre 1896 und waren von Carl Friedrich Ulrich in Apolda gegossen. Die größere Glocke war auf den Ton gis abgestimmt und wies die Aufschrift „Friede auf Erden“, die Jahreszahl und ein Kreuz auf. Die andere Glocke war auf h abgestimmt; sie wies die Aufschrift „Hosianna“, die Jahreszahl, ein Kreuz und den Namen des Glockengießers auf. Beide Glocken mussten im Kriegsjahr 1917 ausgebaut und zum Einschmelzen abgeliefert werden.

Gegenwärtig hängt im mittleren Stuhlfeld eine dritte Glocke. Eigentlich sollte hier eine Glocke hängen, die Pißdorf 1918 im letzten Kriegsjahr als Ersatz für die zwei abgelieferten Glocken erhalten hat, nachdem sie nicht mehr zum Einschmelzen gekommen war. Diese Glocke sollte etwa die gleiche Form und Größe wie die älteste Glocke im dritten Stuhlfeld haben. An ihr sollte man die Krone als Aufhängung, am sogenannten langen Feld zwei Ringlinien und einen Ornamentenkranz, sonst keine Aufschriften und Zeichen finden. Die Glocke ,die jetzt hier hängt, hat zwar die Größe der ältesten Glocke, aber sie trägt die Aufschrift 1928.

Bis 1896 hat nur der alte Glockenstuhl mit den zwei Feldern existiert. Sicher ist, dass bis dahin die älteste, etwa aus dem Jahre 1340 stammende Glocke im zweiten Feld gehangen hat. Gewiss war dieser Glockenstuhl bereits in dem kleineren Turm aufgestellt.Möglich ist, dass er zusammen mit den beiden Glocken aus den Jahren 1340 und 1440 auch schon zu dem Turm der ehemaligen Kapelle auf der Ostseite gehörte.

Bis 1917 dienten die drei größeren Glocken dem Läuten. Die kleinste Glocke war für den Viertelstundenschlag der Turmuhr eingerichtet. Gegenwärtig sind die beiden ältesten Glocken mit Balkenhebeln und Zugsträngen ausgerüstet, um dem Läuten zu dienen.1962/63 ist ein elektrisches Läutewerk beschafft und installiert worden.